Warum müssen wir leiden
Inspiration,  Mind

Osho-Diskurs: Warum müssen wir leiden?

Frage an Osho: Warum ist es so schwer, sich frei zu machen von all diesem Schmerz, diesem Elend und Leid und dieser Lebensangst – obwohl man doch genau weiß, dass man sie nur zu durchschauen und dann fallenzulassen braucht?

Osho: Dich von all diesem Schmerz, Elend und Leid zu trennen, ist einzig und allein deshalb so schwer, weil sie einen bereits das ganze Leben lang begleiten. Das sind die einzigen Freunde, die du auf der Welt hast!

Man hält es leichter mit dem Schmerz, Elend und Leid aus, als damit, absolut allein zu sein. Denn da kannst du Mittel und Wege finden, deinen Schmerz zu betäuben, kannst du Drogen nehmen, um dem Elend zu entrinnen. Du kannst dich in alle möglichen Dummheiten stürzen, um dein Leid zu vergessen. Aber es gibt keinen Ausweg – kein Schmerzmittel, keine Droge, keine Dummheit kann dir aus deiner Einsamkeit heraus helfen.

Die Einsamkeit sitzt so tief, dass all diese oberflächlichen Methoden nicht bis zu ihr vordringen, nicht an ihr rühren können. Darum ist es so schwer, diese paar Freunde, die man nun mal hat, loszuwerden: Sie stellen deine Welt dar, sind deine Familie.

Als ich Professor an der Universität war, wohnte ich für ein paar Monate auf dem Universitäts-Campus, dem Unigelände. Mein Nachbar war ein frisch verheirateter Mann, ein Physikprofessor namens Nityanand Mukhapadhyaya – ein sehr scharfer Kopf und ein intelligenter Lehrer mit großer Zukunft, denn er verstand so viel von Physik, dass selbst ältere Physikprofessoren angerannt kamen und ihn mit Fragen über die neue Physik löcherten. Er war erst seit zwei oder drei Monaten verheiratet, aber die Ehe war bereits im Eimer. Ständig zankten und stritten sie sich. Die Frau war ebenfalls gebildet, war Doktorandin in einem wunderbaren Fach – Musik. Die Wände, die mich von diesem Paar trennten, waren nicht sehr dick – so dünn, dass ich nicht umhin konnte, alles mit anzuhören, was sich nebenan abspielte.

Das war etwa vor dreißig Jahren. Nur ein paar Monate lang war ich ihr einziger Nachbar; seither habe ich sie nie wieder gesehen. Doch ihnen verdanke ich etwas, wonach ich dann süchtig wurde: Ohrenstöpsel. Selbst heute, wo ich meilenweit keinerlei Nachbarn habe … und selbst die, die Meilen entfernt wohnen, erkennen mich nicht als ihren Nachbarn an. In ganz Amerika habe ich keinen einzigen Nachbarn! Und überhaupt: Touristen haben schließlich kein Recht auf Nachbarn.

Aber diese Ohrenstöpsel werde ich einfach nicht wieder los. Ich kann ohne Ohrenstöpsel nicht einschlafen. Ich hab’s versucht. Ich brauche nur zu erwägen, sie abzuschaffen – schon muss ich an Nityanand Mukhopadhyaya denken!

Von morgens bis Mitternacht zankten sie sich, um jedes Fitzelchen, um jede Kleinigkeit. Nirgends gab es je Übereinstimmung. Und praktisch Abend für Abend schloss es damit, dass sie sich mit Sachen bewarfen – mit einer Kissenschlacht! Ich konnte sogar hören, wie sie einander ohrfeigten.

Ein oder zwei Mal mischte ich mich ein. Ich klopfte einfach mitten in der Nacht an ihre Tür, und sie machten auf. Was für eine Szene! Auf dem ganzen Boden lagen Sachen verstreut! Ich sagte: „Es braucht Ihnen nicht peinlich zu sein, ich hab schließlich alles mitgehört, von heute morgen an. Ich kenne jede Einzelheit, also brauchen Sie mir kein Theater vorzuspielen. Es ist ja auch alles so, wie es sich gehört – so muss es früher oder später zwischen allen Eheleuten enden. Sie sind intelligente Leute, sie warten nicht erst lange. Nur eines verstehe ich nicht. Ab und zu sagen Sie: ,Ich liebe dich, Schatz! Ich liebe dich so!‘ Das begreife ich einfach nicht. Alles andere kann ich vollkommen nachvollziehen.

Und jetzt muss ich Sie mitten in der Nacht stören, weil Sie gerade eben, nach einer gewaltigen Kissenschlacht, gesagt haben: ,Ich liebe dich! Ich hab dich so lieb, mein Schatz!‘ Das raubt mir einfach den Schlaf. Alles andere kann ich hinnehmen, aber wie ergibt sich bloß aus dieser Kissenschlacht, dieser regelrechten Materialschlacht und all dem Gekreische und Geschrei jetzt dieses ,Ich liebe dich, Schatz’?“

Sie sahen einander an. Sie hatten keine Antwort, weil … Dann sagte der Professor: „Ich hab nie drüber nachgedacht, aber natürlich haben Sie recht. Aus alledem sollte sich das nicht ergeben. Ich verstehe – Sie sind ein Mann der Logik. Ich kenne mich zwar in Logik nicht so gut aus, aber auch die Physik ist auf Logik begründet. Ich kann den Widerspruch sehen.“

Die Frau sagte: „Ich hab nie drüber nachgedacht; aber es stimmt schon, dass … Können Sie uns vielleicht verstehen helfen, warum?“

Ich sagte: „Darum bin ich gekommen. So ist das eben bei Eheleuten: Sie hassen einander, und dann hassen sie sich selbst dafür, dass sie einander hassen. Und dann, um die ganze Sache – dieses ,Ich hasse dich‘ und dieses ,Ich hasse mich dafür, dass ich dich hasse‘ – zu kaschieren, decken sie es mit diesem ,Ich liebe dich, Schatz!‘ zu. Damit fangen Sie zwei Fliegen mit einer Klappe. Dann braucht man sich nicht mehr selbst zu hassen – denn man liebt ja seine Frau! Aber das ist nur Tünche, eine sehr dünne Tünche, die den starken Winden des Lebens nicht standhalten kann. Am nächsten Morgen hat man’s wieder vergessen. Die gleiche Geschichte geht wieder los und führt zu dem gleichen Schluss. Warum trennen Sie sich nicht einfach?“

Und bei diesem Rat wurden sie alle beide böse auf mich. Sie sagten: „Das ist aber nicht nett von Ihnen, dass Sie uns raten, wir sollten uns trennen.“ Ich sagte: „Doch, genau das ist mein Rat. Reichen Sie die Scheidung ein.“ Da wollten sie alle beide über mich herfallen.

Ich sagte: „Sie brauchen nicht über mich herzufallen, denn ich hasse Sie nicht, und ich liebe Sie nicht. Ich spiele einfach gar keine Rolle. Lassen Sie mich draußen vor, ich geh jetzt wieder. Ich habe Ihnen nur einen Wink gegeben – Sie können ja drüber nachdenken. Jetzt sind gerade erst drei Monate um; in dreißig Jahren werden Sie in der gleichen Lage sein, aber dann wird es zu spät sein, kann selbst eine Scheidung nichts mehr ausrichten. Dann werden Sie auf Ihre Streitereien und Ihr ewiges Kämpfen fixiert sein – kurz auf alles, was Sie hassen. Sie werden süchtig danach geworden sein, Sie werden nicht mehr ohne es auskommen können.“

Sie waren empört. Sie schlugen mir die Tür vor der Nase zu. Ich sagte: „Dankeschön!“ Zwei Monate später fuhr die Frau für eine Woche zu ihrer Mutter – die Mutter war krank geworden -, und schon nach einer Woche hatte Professor Nityanand Mukhopadhyaya angefangen mich aufzusuchen und mich zu nerven mit seinem ewigen Gerede: „Ich vermisse meine Frau so sehr! Ich kann nicht einschlafen – das Bett kommt mir so leer vor!“

Ich sagte: „Und Ihr Zimmer kommt mir auch so leer vor. Es liegen ja gar keine Sachen mehr rum. Warum schmeißen Sie nicht selber mit Sachen um sich? Brüllen Sie etwas, schreien Sie etwas – und sie ist ja nicht hier, also können Sie sagen, was Sie wollen! Werfen Sie mit Sachen rum, schlagen Sie auf ihre Kleider ein und kommen Sie dann zum Höhepunkt: ,Ich liebe dich, Schatz!‘ Und danach werden Sie herrlich schlafen.“ Er sagte: „Lassen Sie Ihre Scherze.“

Ich sagte: „Wieso Scherze? Probieren Sie’s mal. Schaden kann es jedenfalls nicht.“

Und ihr werdet es mir nicht glauben: Zwar nicht am selben Tag, aber zwei Tage später hat er es ausprobiert – denn ich war Ohrenzeuge. Er hat sich wirklich ins Zeug gelegt, mehr als je zuvor – eine tollere Vorstellung denn je. Und dann setzte er den Höhepunkt drauf: „Ich liebe dich, Schatz!“ Und wenig später hörte ich ihn schnarchen.

Am Morgen danach ging ich mir sein Zimmer anschauen – überall lagen Sachen herum. Der Diener machte die Schlafzimmertür auf: Da lag der Professor noch im Schlaf; ich weckte ihn auf und sagte: „Da haben Sie aber eine gute Vorstellung geliefert!“

Er sagte: „Tatsächlich, es funktioniert. Ich hab’s ja nur ausprobiert, wohl wissend, dass nichts dabei herauskommen würde. Wie sollte es denn funktionieren können? – wo sie doch gar nicht da ist. Aber es hat funktioniert. So langsam bin ich richtig in Fahrt gekommen. Sie war praktisch da: Als ich auf die Kissen einschlug, hab ich auf sie eingeschlagen! Und noch nie hab ich sie so gut verdroschen wie diesmal! So richtig nach Herzenslust! Noch nie hab ich so tief geschlafen … Sie hatten recht.“

Aber so ergeht es praktisch jedem. Ihr werdet süchtig nach eurem Schmerz, nach eurem Elend, nach eurem Leid. Ihr wollt es im Grunde gar nicht los sein. Ihr fragt zwar immerzu weiter, wie ihr es los werden könnt, aber auch das ist nur eine List des Verstandes – sich immerzu zu erkundigen, wie man es loswerden könne.

Hast du dich jemals ehrlich gefragt, ob du es los werden willst? Bist du bereit, ohne all das Unglück und all den Schmerz und das Leid zu leben, das du seit jeher mitschleppst? Kannst du damit fertig werden, ohne all diese langgewohnten Begleiter dazustehen, die mit dir immer durch Dick und Dünn gegangen sind, die dich noch nie im Stich gelassen haben?Wenn alle dich verlassen würden – sie hielten zu dir! Sie sind dir gefolgt wie ein Schatten; sie waren gewissermaßen dein Trost. Das mag dich zunächst schockieren, wenn ich sage, dass sie gewissermaßen dein Trost waren. Aber indem ich das sage, ist damit vieles mit gesagt.

Dein Leid macht dich zu jemand Besonderem. Ohne all dein Leid bist du niemand. Wer bist du? Du wirst nicht einmal mehr mit den anderen Gesprächsstoff haben. Du wirst dumm rumstehen – worüber willst du reden? In England reden die Leute übers Wetter, nur um sich nicht unterhalten zu müssen. Es ist eine sehr vornehme Art, übers Wetter zu reden. Aber es klingt ein bisschen idiotisch; schließlich siehst du ja selbst, was für ein Wetter ist, sehe ich selbst, was für ein Wetter ist, welchen Sinn hat es also zu sagen: „Schöner Tag heute, so sonnig!“ Das siehst du selber, du befindest dich im gleichen Tag. Du bist nicht morgen, du bist nicht gestern, du bist hier mit mir. Aber du sagst: „Ja, einfach herrlich!“

Das liegt am englischen Charakter – es gibt kaum einen fadenscheinigeren Charakter auf der Welt. Da gehört es sich einfach nicht, über irgend etwas Strittiges zu sprechen. Politik ist gefährlich, darüber lässt sich streiten; Religion ist gefährlich, darüber lässt sich streiten. Literatur ist gefährlich, darüber lässt sich streiten. Außer dem Wetter scheint es nichts Unstrittiges zu geben – nichts, worüber sich beide einig sein können, ohne jedes Problem.

Zwei Engländer sollen einmal zusammen Zug gefahren sein. Nach drei Stunden kam endlich der Schaffner herein und sah sie groß an – sie wirkten so traurig und deprimiert! Also fragte er nach … Da sagte der eine: „Drei Stunden rumsitzen, ohne eine Menschenseele, mit der man sich unterhalten könnte.“

Der Schaffner sagte: „Aber Ihnen gegenüber sitzt doch auch ein Engländer – mit dem hätten Sie sich doch unterhalten können!“

Der Mann sagte: „Wo denken Sie hin? Es hat uns doch niemand gegenseitig vorgestellt. Ohne Vorstellung gehört sich das einfach nicht.“

Erst kürzlich las ich, aus der Neuausgabe vom maßgeblichen Verzeichnis des britischen Hochadels und Königshauses seien viele Namen gestrichen worden, weil sie alle Aids-Opfer waren. Nun, daran ersieht man, dass selbst Edelleute nicht unbedingt einen edlen Umgang haben: Adlige mit nicht eben untadeliger Lebensführung. Aber all das wird unter den Teppich gekehrt. Nach außen hin scheint alles so zu sein, wie es sich gehört. So ist es mehr oder weniger überall auf der Welt; niemand will wirklich sein Leid los sein.

Du musst dir in aller Aufrichtigkeit folgende Frage stellen:

Bist du bereit, einsam zu sein?

Wenigstens macht dich dein Leid, dein Schmerz, dein Elend zu jemand Besonderem. Es verleiht dir einen gewissen Charakter, es verleiht dir eine gewisse Identität. Darüber hinaus ist es dein Elend, nicht das irgendeines andern. Es ist dein Hab und Gut, dein ganzer Ruf. Wenn man dir das einfach wegnimmt, wirst du als Bettler dastehen.

Du fragst mich, warum man sich so schwer von seinem Elend freimachen kann? Das ist deshalb schwer, weil du es gar nicht loswerden willst. Und außerdem ist das schwer, weil du da einiges missverstanden hast. Du sprichst von ,all diesem Schmerz, diesem Elend und Leid oder dieser Lebensangst‘.

Das beweist, dass du nicht weißt, wovon du redest. Du kannst dich durchaus von deinem Schmerz, Elend und Leid frei machen, da sie ja deine eigenen Schöpfungen sind; du kannst dich raushalten. Sie haben ohne deine Unterstützung kein Stehvermögen. Sie brauchen ständig Futter von dir. Sie saugen an dir. Sie sind Parasiten – aber du kannst sie abschütteln.

Die Lebensangst kannst du nicht abschütteln. Die liegt auf einer völlig anderen Ebene. Die Lebensangst ist etwas Spirituelles. Die Lebensangst brauchst du nicht loszuwerden. Mit der Lebensangst musst du dich immer vertrauter machen.

Wenn du der Lebensangst den Rücken zukehrst, erscheint sie wie Leid. Wenn du der Lebensangst dein Gesicht zukehrst, wird daraus Seligkeit.

Du brauchst sie nicht loszuwerden. Und sie hat überhaupt nichts mit dir zu tun, also kannst du sie gar nicht loswerden. Selbst wenn du diesen Segen loswerden möchtest, steht das nicht in deiner Macht. Sie ist etwas, das mit deiner Natur verwoben ist. Solange du dich dir nicht selber stellst, wirst du Lebensangst verspüren. Sobald du dich dir selber zukehrst, wird aus eben dieser Lebensangst der größte Segen von der Welt. Sag also nicht „Leid oder Lebensangst“! Das zeugt nur von deiner völligen Unkenntnis deiner eigenen Innenwelt.

„Leid, Elend und Schmerz“ – das sind alles Äußerlichkeiten. Lebensangst ist innerlich. Mit Lebensangst wirst du geboren. „Leid, Elend und Schmerz“ sind deine Schöpfungen. Das ist auch einer der Ursachen, warum du sie nicht loswerden kannst: Du hast sie gezeugt, sie sind deine Kinder.

Schau dir einfach nur mal die Leute an, wenn sie von ihren Leiden erzählen! Schau ihnen ins Gesicht, beobachte ihre Augen – und du wirst eine Überraschung erleben. Klagen sie da ihr Leid – oder brüsten sie sich damit? Denn ihr Gesicht scheint zu strahlen, wenn sie von all ihrem Leid erzählen! Und erinnere dich: Du kennst das auch! – denn du hältst es nicht anders. Du übertreibst immer deinen Schmerz, dein Leid, dein Elend; du blähst es auf, so sehr du kannst. Warum? Wenn es sich da um etwas handelt, das es loszuwerden gilt, warum vergrößerst du es dann? Du genießt es!

Einer meiner Freunde ist katholischer Priester. Ich habe ihn einmal gefragt: „Du hörst doch Leuten die Beichte ab. Hast du dich jemals gefragt, warum sie vielleicht übertreiben?“ Er sagte: „Wie bitte? übertreiben? Sie beichten doch ihre Sünden, warum sollten sie da übertreiben?“

Ich sagte: „Alles übertreiben die Leute. Steht einer in der Schlange der Sünder, möchte er gerne ganz vornean stehen, wäre er am liebsten der größte Sünder. Wer möchte da schon im dritten Glied stehen, am Ende der Schlange? Und wenn dich jemand fragt: „Was hast du für Sünden begangen?“ – hast du ein Huhn gestohlen! Statt ein Dschingis Khan und Tamurlan und Nadir Schah und Alexander der Große und Iwan der Schreckliche zu werden, hast du es in deinem ganzen Leben nur dazu gebracht, ein Huhn zu stehlen? „musst du ein Idiot sein! In einem so langen Leben – in siebzig Jahren hast du sonst nichts zustande gebracht? Und dann nimmst du dir heraus, in einer Reihe mit solchen Stars stehen zu wollen wie Adolf Hitler, Benito Mussolini und Joseph Stalin?! Mach, dass du fortkommst. Und so einer will ein Sünder sein!“

Nein, du musst dich so sehr aufblsähen, wie du nur kannst.

Jeder versucht, sich selbst als was Besonderes hinzustellen, so gut er kann.

Du erzählst davon, wie sehr du leidest, und irgendwer sagt: „Das ist noch gar nichts.“ Sofort fühlst du dich verletzt; diese Antwort gefällt dir nicht. Wo du doch eine so großartige Geschichte erzählt hast! Du legst deine Wunden bloß, und was sagt der Kerl? „Das ist noch gar nichts! Hör nur, was ich erleiden musste!“

Auch deine Leiden dienen deinem Ego als Stütze. Ein Mensch ohne Leiden, ohne Schmerz, ohne irgendein Elend – wie will der sein Ego aufrecht erhalten? Er wird sein Ego mit nichts abstützen können.

Ich war oft zu Gast bei einem der Präsidenten der indischen National Congress Party, die seit der Unabhängigkeit an der Regierung ist. Sein Name war Uchchhangrai Dhebar, und er liebte mich über alles. Er war der einzige Politiker von diesem Kaliber, der zu meinen Meditation Camps kam, um zu meditieren, um einfach mitzumachen. Er war wirklich ein angenehmer Zeitgenosse. Bei Politikern ist dieser freundliche Menschenschlag wirklich selten anzutreffen.

Er sprach von den großen Problemen, vor die er sich gestellt sah. Ich hörte ihm zu und sagte dann: „über solche Dinge kannst du dich mit anderen unterhalten. Verschwende nicht meine Zeit. Wenn du etwas dagegen machen kannst, dann mach was; aber was soll dieses unnütze Gerede? Ich bin nicht der, der an solchen Sachen interessiert ist.“

In dem Moment klingelte das Telefon, und er nahm ab. Der Premierminister war dran, und Uchchhangrai Dhebar sagte: „Ich bin im Augenblick sehr beschäftigt.“ Dabei war er kein bisschen beschäftigt – wir plauderten nur so! Aber er sagte: „Ich stecke bis über beide Ohren in Arbeit, ich kann Sie heute unmöglich sehen. Vielleicht gibt’s morgen eine Lücke. Ich muss erst meinen Sekretär fragen.“ Als sie fertig waren, sagte ich: „Ich sehe nichts von Überbeschäftigung.“ Er sagte: „Darum geht es nicht. Wenn ein Premierminister anruft – und ich bin der Parteivorsitzende, und vom Organisatorischen her ist er nur Parteimitglied … Mag er der Premier sein, aber wenn ein Premierminister mich anruft, bin ich immer beschäftigt. Wenn der Präsident des Landes anruft, bin ich immer beschäftigt.

Diese Leute können nur diese Sprache verstehen. Wenn ich sofort aufspringe und bei ihm angelaufen käme und sagte: „Jawohl, mein Herr, da bin ich, was darf es sein?“, wozu wäre ich dann Parteivorsitzender? Was mich das gekostet hat – all die Kämpfe und Scherereien, diese Konflikte und Streitereien! Aber jetzt hab ich’s endlich geschafft, Vorsitzender zu werden, und da verlangst du von mir, dem Premier zu erzählen, dass wir hier nur so plaudern, dass ich frei bin, gar nichts zu tun habe? Im Augenblick schlage ich mich mit dicken Problemen herum!“

Ich sagte: „Vielleicht trifft das dann ja auch auf die großen Probleme zu, von denen du mir da eben erzählt hast. Bitte sei wenigstens mir gegenüber ehrlich. Ich bin weder Premierminister noch Parteivorsitzender.“

Da sah er mir einen Moment in die Augen und sagte: „Du hast recht. Ich hab nur angegeben damit, dass ich nicht aus noch ein wüsste, und wie mir meine Probleme über den Kopf wüchsen. Der Vorsitzende der Regierungspartei eines so riesigen Landes zu sein, das ist, als läge man auf einem Bett von Dornen.“

Er schlief auf einer Dunlop-Matratze. Ich sagte: „Was redest du da. Wie ich sehe, schläfst du auf einer Dunlop-Matratze!“

Ich kann auf so einem Ding nicht schlafen, weil es so weich ist, dass die kleinste Bewegung, die man macht, die Matratze einfach mitmacht. Das hält mich wach, da krieg ich die ganze Nacht kein Auge zu.

Einmal hat mir Teertha ein Wasserbett mitgebracht. Diese Nacht vergeß ich nie! Wasserbetten müssen zur Ausstattung der Hölle gehören; du drehst dich ein bisschen, und schon bewegen sich all diese Wassermassen unter dir. Bei solchem Seegang – wer kann da schlafen? Ich kann auf einem harten Fußboden schlafen; das mag etwas wehtun, aber früher oder später schläft man ein. Aber auf einem Wasserbett … und das war gerade der neueste Schlager, absolut „in“. Darum hatte Teertha es ja mitgebracht. Was das betrifft, habe ich schon so manche „in“-Sachen über mich ergehen lassen müssen!

Du kannst aus dem einfachen Grunde deine Leiden nicht loswerden, weil du gar nichts anderes hast, woran du dich klammern kannst. Ohne sie wärst du leer, und niemand möchte gern leer sein. Die Leute übertölpeln sich auf jede erdenkliche Weise selber.

Ich habe Gegenden besucht, wo die Menschen dermaßen hungrig waren, dass sie verhungerten. Sie hatten nichts zu essen. Ich erkundigte mich: „Ihr habt nichts zu essen, wie könnt ihr dann schlafen?“ – denn ohne Nahrung kann man nicht schlafen. Ja, der Schlaf ist aus einem äußerst wichtigen Grunde unentbehrlich: um das Essen zu verdauen. Hierfür müssen alle anderen Aktivitäten wegfallen, und deine gesamte Energie geht in die Verdauung. Aber wenn du überhaupt keine Nahrung im Bauch hast, wird das Schlafen schwierig.

Ich habe oft genug gefastet, daher weiß ich das. In der letzten Fastennacht wälzt man sich ständig im Bett hin und her und kann an nichts anderes denken als an den nächsten Tag und all die köstlichen Speisen. Und wer Hunger hast, dem kommt alles köstlich vor. Aber man kann nicht schlafen. Daher meine Frage: „Wie bringt ihr es fertig zu schlafen?“

Sie sagten: „Wir trinken eine Menge Wasser, um den Bauch zu füllen, den Körper zu täuschen, und dann kommt der Schlaf.“ Sie wissen sehr wohl, dass sie sich betrügen; Wasser ist keine Nahrung. Der Körper schreit nach Nahrung, aber sie geben ihm Wasser, weil sie nur Wasser haben. Aber wenigstens ist dann etwas im Bauch drin, ist er nicht leer.

Genau dasselbe trifft auch auf eure psychologische Leere zu: Hauptsache etwas, egal was! Gar nichts kommt für euch nicht in Frage. Und ehe nicht „Gar nichts“ für euch in Frage kommt, seid ihr nicht bereit, ohne euren Schmerz, euer Elend und Leid auszukommen.

Du sagst: “ – obwohl man doch genau weiß …“ Du weißt gar nichts, aber du sagst: “ – obwohl man doch genau weiß“. Du weißt überhaupt nichts. “ – obwohl man doch genau weiß“ heißt nämlich, dass genau in dem Moment, da du verstehst, all dies Leid und Elend von selber abfallen werden.

Es genau zu wissen und weiterhin zu leiden, elend zu sein – nein, das geht nicht. Entweder du weißt es nicht oder du kannst nicht leiden. Beides zugleich ist dir nicht gestattet – es genau zu wissen und doch weiter zu leiden. Und dein letzter Satz macht es klar, dass es sich bei diesem ,wissen‘ um ,nicht wissen‘ handelt. Mag sein, dass es Wissen ist.

Du sagst: „Obwohl man doch genau weiß, dass man sie nur zu durchschauen und dann fallen zu lassen braucht.“ Das ist eine etwas knifflige Sache – erst zu durchschauen und dann fallenzulassen. So als käme erst das Verstehen und dann das Fallenlassen. Aber so läuft es nicht. Im Verstehen selbst fallen sie ab. Da gibt es kein „und sie dann fallenzulassen.“ Nach dem Verstehen gibt es nichts mehr zu tun.

Das Verstehen ist das Tun selbst.

Es ist nicht so, als würdest du erst Licht ins Zimmer bringen und danach dann die Dunkelheit rauswerfen. Da sagst du nicht: „Ich mache erst Licht und werf dann die Dunkelheit raus.“ Wenn du so etwas sagst, weiß jeder sofort, dass du blind bist, dass du keine Ahnung hast, wovon du da redest. Wenn du Licht anmachst, wirst du überhaupt keine Dunkelheit finden. Was willst du da rauswerfen?

Verstehen ist Licht. Im gleichen Augenblick, da du verstehst, gibt es kein Leiden mehr rauszuwerfen, fallenzulassen, loszuwerden. Das Verstehen reinigt dich einfach.

Du magst danach einen Lachanfall bekommen, aber zu tun gibt es da nichts. Du magst dich kaputtlachen, weil du sehen wirst, wie dumm du dich angestellt hast: Du hast Sachen loswerden wollen, die man nur zu verstehen braucht. Und dann wird dieses bloße Verstehen zur Befreiung von ihnen.

Du musst nichts tun, nur verstehen.

Aber vielleicht kannst du ja nur nicht klar unterscheiden zwischen Verstehen und Wissen. Es ist Wissen: Du hast da was gehört, was läuten hören, was gelesen. Ja, du weißt eine Menge, aber Wissen hilft keinem was.

Sigmund Freud, ein Mann von großem Wissen, hatte Angst vor Geistern. Obwohl er ständig sagte: „Es gibt keine Geister. Es gibt dafür keine Anzeichen, keine Beweise.“ Seine Angst vor Geistern war so groß, dass eine bloße Bagatelle zum Bruch zwischen ihm und seinem Meisterschüler Carl Gustav Jung führte. Carl Gustav Jung sollte sein Nachfolger werden. Freud hatte bereits erklärt: „Jung wird mein Nachfolger sein.“ Und Jung war von allen Jüngern Freuds der intelligenteste, gelehrteste, beeindruckendste, charismatischste. Es gab da nur ein paar Kleinigkeiten, die Freud ein Dorn im Auge waren. Jung interessierte sich für Geister – daran rieben sie sich ständig.

Eines Tages war Sigmund Freud in seinem Arbeitszimmer und Jung saß vor ihm; sie unterhielten sich, und irgendwie kam das Gespräch auf Geister. Jung sagte: „Sie können sagen, was Sie wollen, aber ich werde den Verdacht nicht los, dass es Geister gibt.“ Sigmund Freud lief rot an vor Wut, und im selben Moment krachte es im Schrank hinter ihm, wie eine Explosion! Sigmund Freud fiel vom Stuhl. Jung öffnete den Schrank: Nichts zu sehen. Er schloss ihn wieder, stellte den Stuhl wieder auf, setzte Freud darauf und sagte: „Da ist nichts. Ich weiß nicht, was es war, was diese Explosion ausgelöst hat.“ Sie nahmen den Faden wieder auf und wieder kamen sie auf diese Geistersache zu sprechen. Sigmund Freud sagte: „Ich glaube nicht dran, und ich verbiete Ihnen von jetzt an, darüber zu reden …“ und wieder krachte es!

Das war endgültig zuviel: Sigmund Freud fiel in Ohnmacht.

Und das war der Bruch. Er ließ Jung einfach nur wissen: „Entweder Sie geben mich auf, oder Sie geben Ihre Geister auf.“

Ein so gelehrter Mann, ein solcher Pionier, ein großer, wissenschaftlicher Kopf … Aber wenn du wirklich weißt, dass es keine Geister gibt, dann verhältst du dich in so einer Situation einfach anders, dann fällst du nicht in Ohnmacht, fällst du nicht vom Stuhl. Es ist bloß Wissen, Glaube. Freud möchte gern glauben, dass es keine Geister gibt, aber tief drinnen ist er ein genauso gewöhnlicher Mensch wie alle anderen, mit genau denselben ängsten. ä

Und auch Jung war nichts anderes. Er interessierte sich zwar für Geister, hatte aber eine riesige Angst vor dem Tod. Da seht euch diese Diskrepanz an: Du interessierst dich für Geister … aber wenn du dich tatsächlich für Geister interessierst, dann solltest du dich auch für den Tod interessieren, denn ohne den Tod kann es auch keine Geister geben. Ein Geist ist ja nichts weiter als ein Mensch, der einmal in seinem Körper war und nun nicht mehr im Körper ist. Wenn du dich für Geister interessierst, solltest du dich logischerweise dann auch für den Tod interessieren, für den Sterbevorgang an sich.

Aber Jung hatte eine solche Angst – mehr Angst als Sigmund Freud. Sigmund Freud hatte, als die Explosion stattfand, wenigstens einen Grund, um ohnmächtig zu werden. Jung aber war so ängstlich, dass bei ihm schon das Wort ,Tod‘ genügte – dreimal in seinem Leben fiel er in Ohnmacht, nur weil jemand das Wörtchen ,Tod‘ erwähnt hatte.

Er hatte ein brennendes Interesse daran, sich in Ägypten einmal die Mumien der uralten ägyptischen Pharaonen, der Königinnen und Könige anzuschauen – die damals gerade erst entdeckt, ausgegraben worden und nun der Öffentlichkeit zugänglich gemacht waren. Mindestens zwölf Mal buchte er eine Reise nach Ägypten … aber im letzten Moment fand er jedesmal einen Vorwand, nicht abzufahren.

Einmal war Jung sogar schon bis zum Zürcher Flughafen gekommen; ihm fiel einfach nichts ein, warum es nicht losgehen könne … er steckte richtig in der Klemme. Er zerbrach sich den Kopf, aber er fand einfach keinen Grund, warum es nicht losgehen könne. Es waren extra Leute gekommen, um ihm einen schönen Abschied zu bereiten und „Schöne Reise!“ sagen wollten. Aber dann sagte er schließlich: „Ich fahr nicht.“ „Aber warum denn nicht?“, wollten sie wissen. Er antwortete: „Ich hab vergeblich nach einem Grund gesucht, warum ich nicht fahren kann. Es gibt keinen. Aber wenn ich nicht fahren will, wer seid ihr, mich zu zwingen, doch hinzufahren? Ihr seid mit Blumen gekommen, und ich sterbe vor Angst. Ich kann den Anblick einer Leiche nicht ertragen!“

Es liegt einfach nur daran, dass die Menschen einen merkwürdigen Verstand haben. Ihr seid besessen von genau den Dingen, vor denen ihr Angst habt. Vielleicht seid ihr ja nur deshalb von ihnen besessen, weil ihr Angst habt. Eure Angst und eure Besessenheit weisen fast immer in die gleiche Richtung. Es ist Jung sein ganzes Leben lang nicht gelungen, nach Ägypten zu kommen. Dabei war dies einer seiner innigsten Wünsche! Er war äußerst gelehrt; aber was seine Weisheit betraf – gleich Null.

Weisheit transformiert einen.

Wissen verleiht einem den Irrglauben, weise zu sein.

Es ist besser, aufrichtig unwissend zu sein – weil da eine Chance zur Veränderung besteht -, als ein Heuchler zu sein, der unaufrichtig davon überzeugt ist, Bescheid zu wissen.

Wissen hat sich schon oft genug verheerend ausgewirkt.

Der gelehrte Mensch lebt in dem Wahn, bestens Bescheid zu wissen. Und weil er sich so gut auskennt, braucht er ja keine weiteren Erkundigungen einzuziehen. Der unwissende Mensch steht ununterbrochen an der Front des Nachforschens; überall sind nur Fragezeichen. Und es ist einer der Wesenszüge der menschlichen Natur, dass ihr es nicht aushalten könnt, mit einem Fragezeichen zu leben. Entweder müsst ihr es mit falschem Wissen zukleistern und euch so euren eigenen Vers drauf machen – oder ihr müsst die wahre Antwort finden, so dass die Frage verschwindet.

Wissen ist keine Antwort, sondern eine Schein-Antwort. Du sagst: „obwohl man genau weiß“… Lass diese Vorstellung fahren, genau Bescheid zu wissen. Bitte akzeptiere einfach deine Unwissenheit. Fass dir ein Herz und wage es, über alles mögliche zu sagen: „Ich weiß es nicht.“

Bringst du, wenn dich jemand fragt, ob es einen Gott gibt, den Mut auf, einfach nur zu sagen: „Keine Ahnung!“?

Der Atheist hat diesen Mut nicht; der sagt: „Ich weiß, es gibt keinen Gott.“

Der Theist hat diesen Mut nicht; der sagt: „Ich weiß, es gibt einen Gott.“

Nur der Agnostiker hat ein bisschen Mut und sagt: „Ich weiß noch nicht.“ Er lässt die Frage offen im Raum stehen. Er ist sich keiner Antwort gewiss – er sucht noch, er forscht noch.

Von frühester Kindheit an habe ich selbstbewusste Alleswisser dauernd in die Enge getrieben. In unserm Haus gingen viele Heilige der Jaina-Religion ein und aus, aber auch Hindu-Mönche und Sufi-Mystiker; denn mein Großvater war sehr an diesem Menschenschlag interessiert – ohne einem von ihnen spezifisch zu folgen. Vielmehr hatte er seine diebische Freude daran, wie ich diesen Heiligen immer einheizte.

Einmal hab ich ihn gefragt: „Was willst du eigentlich von all diesen Leuten? Interessieren sie dich überhaupt? Du bietest ihnen deine Gastfreundschaft an und dann stachelst du mich an, ihnen das Leben schwer zu machen. Worauf willst du wirklich hinaus?“

Er antwortete: „Um dir die Wahrheit zu sagen, macht es mir Spaß, wenn du sie in den Schwitzkasten nimmst. Denn diese Typen tun immer so, als hätten sie die Weisheit mit Löffeln gefressen. Dabei wissen sie überhaupt nichts. Aber nirgendwo anders dürftest du ihnen so zusetzen, weil man dich einfach abhalten würde. Die Leute kommen mir jetzt schon immer mit Sprüchen wie: ,Dein Enkel ist eine wahre Pest hier … entferne ihn!‘ Also lad ich sie ein; und dann, unter unserem eigenen Dach, darfst du tun, was dein Herz begehrt. Und ich stehe voll hinter dir, und du darfst alles fragen, was du willst.“

Und dann stellte ich diesen Leuten meine Fragen – ganz schlichte Fragen: „Hand aufs Herz: Kennst du Gott? Aus eigener Erfahrung? Oder hast du nur was läuten gehört? Du bist so gebildet, du kannst die Schriften zitieren, aber mich interessieren die Schriften nicht. Mich interessierst du. Kannst du aus dir selber zitieren, deiner eigenen Erfahrung?“ Und zu meiner Überraschung stellte ich fest, dass kein einziger dieser Männer irgendeine Erfahrung von Gott oder von sich selbst gemacht hatte! Und das waren in Indien große Heilige, denen Tausende zu Füßen lagen! Sie betrogen sich selbst und sie betrogen andere zu Tausenden …

Das ist der Grund, warum ich sage, dass Wissen schon viel verheerenden Schaden angerichtet hat.

Unwissenheit hat noch nie Schaden angerichtet.

Unwissenheit ist unschuldig. Wissen ist gerissen. Weisheit ist weit über beides hinaus. Und Weisheit hast du authentisch aus dir. Solange du nicht irgendein Wissen aus dir hast, redest du dir besser nicht ein, vollkommenes Wissen‘ zu besitzen.

Versteht ihr, wenn ich Wörter wie ,vollkommen‘ benutze? Gibt es je im Leben etwas ,Vollkommenes’?

Sobald etwas ,vollkommen‘ ist, ist es tot. Leben ist pausenlose Unvollkommenheit.

Ja, es geht in Richtung Vollkommenheit – aber es ist immer nur unterwegs dahin, ohne je anzukommen. Das ist das ganze Geheimnis der Evolution – dass sie sich immer höher und höher entwickelt, aber nie den Punkt erreicht, wo sie sagen kann: „Jetzt sind wir am Ziel der Reise.“

Das Buch des Lebens hat weder Anfang noch Ende. Es ist ein Kontinuum – ein grenzenloses Weitergehen.

Nehmt Wörter wie ,vollkommen‘ nie in den Mund. Alles hier ist unvollkommen – es geht gar nicht anders. Ausgenommen natürlich Idioten wie der Polenpapst. Das sind die Vollkommenen, die ,Unfehlbaren’! Nur Idioten können Unfehlbarkeit für sich in Anspruch nehmen. Die Weisen werden sagen: „Vielleicht ist es so. Ich weiß es nicht mit absoluter Sicherheit. Ja, hier und da geht mir ein Licht auf … Es gibt Augenblicke der Klarheit, es gibt Augenblicke, da hat man das Gefühl: ,Ja! Das ist’s!‘ Aber nirgendwo kommt hinter allem ein Punkt.“

Wenn ihr mich fragt … Wie oft habe ich nicht schon gesagt: „Das ist es jetzt!“ – und schon am nächsten Tag kam etwas Größeres … und ich denke: „Oh mein Gott! Das also ist es!“ Aber mit der Zeit, als das einfach kein Ende mehr nahm und nur immer mehr, immer größer wurde, gab ich es endgültig auf zu sagen: „Das ist es!“

Es ist einfach nur ein unentwegtes „Es-wird“; aber es kommt nirgendwo ein Punkt. „Vollkommen“ wird es nie.

Erkennen ist ein Vorgang.

Wissen ist etwas Totes, mit einem Punkt dahinter.

Du weißt einfach nichts, und es wird dir eine gewaltige Hilfe sein zu erkennen, dass du nichts weißt. Denn von da aus kann dann die wahre Reise losgehen. Deine Frage gibt deutlich Zeugnis von Unwissenheit, weil du sagst, dass man sie nur zu durchschauen und dann fallen zu lassen braucht.

Leider gibt es nach dem Durchschauen überhaupt nichts mehr fallenzulassen. Dann wirst du dastehen …

Aber bis du es durchschaust, gibt es noch genug fallenzulassen!

Aber genau das kannst du nicht.

Nach dem Durchschauen – wenn du das Fallenlassen gelernt hast -, gibt es nichts mehr fallenzulassen.

Das sind die Mysterien des Lebens, die wirklichen Mysterien des Lebens – ein gewaltiger Genuss.

(Osho)

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