
Rasās: Bedeutung der 6 Geschmacksrichtungen im Ayurveda
Rasās sind die sechs Geschmacksrichtungen und einer der wichtigsten Faktoren bei der ayurvedischen Ernährung. Sie spielen eine wichtige Rolle bei der Zusammenstellung einer Mahlzeit, die für jedes individuelle Dosha geeignet ist.
Der Geschmack ist im Ayurveda so wichtig, weil man damit die Wirkung bestimmen kann, die verschiedene Lebensmittel, Gewürze, Heilkräuter und Erfahrungen auf unseren innere Balance von Körper, Geist und Seele haben.
Die Geschmackrichtungen geben vor, ob ein Lebensmittel auf ein Dosha beruhigend, erhöhend oder neutral wirkt.
Heilung beginnt beim Geschmack
Als ich in Dharamsala (Indien) beim Leibarzt des Dalai Lama war, der tibetische Medizin praktizierte, wurden mir ähnlich wie im Ayurveda handgemachte Kräuterpillen verschrieben. Darunter waren auch die sogenannten wertvollen (precious) Pillen, die einzeln in klitzekleine Stoffstücke gewickelt waren, um sie vor Lichteinwirkung zu schützen.
Hier wurde ausdrücklich betont, dass ich die erbsengroßen Pillen mit heißem Wasser einnehmen soll und sie ruhig auch etwas zerkauen soll.
Der Geschmack war bitter, was wir von Natur aus als unangenehm empfinden.
Doch ein Freund, der tibetische Medizin studierte betonte, das schon durch das schmecken der Pille über die Geschmacksnerven ein Teil der Heilung geschieht.
Wann man etwas bloß schmeckt, hat es schon einen Effekt auf den Körper.
Rasā: Die Grundlagen des Geschmacks im Ayurveda
Laut Ayurveda ist es unglaublich wichtig, unsere Lebensmittel wirklich zu schmecken.
Rasā ist das Sanskrit-Wort für Geschmack. Rasā hat mehrere Bedeutungen, darunter: Gefühl/Stimmung, Essenz, Saft, Geschmack. Es steht auch für ästhetischen Geschmack zum Beispiel bei der Inneneinrichtung.
Ayurveda sieht Rasā als ein ungeheuer mächtiges therapeutisches Werkzeug, das nicht nur bestimmt, wie wir unser Essen erleben, sondern letztendlich den Gesamtgeschmack unseres Seins.
Ayurveda kennt sechs Geschmäcker, von denen jeder eine entscheidende Rolle für unsere Physiologie, Gesundheit und unser Wohlbefinden spielt. Diese sind süß (madhura), sauer (amla), salzig (lavana), scharf/stechend (katu), bitter (tikta) und adstringierend (kashaya).
Der Geschmack kann uns also nicht nur viel darüber sagen, was wir zu uns nehmen, sondern auch über die körperlichen und energetischen Qualitäten, die wir dadurch aufnehmen.
Ayurveda lehrt uns, die Vielfalt der Aromen, denen wir jeden Tag begegnen, voll und ganz anzuerkennen, zu schätzen – sogar zu genießen. Nur dann können wir das Potenzial des Geschmacks wirklich nutzen, um positive Veränderungen in unserem Geist und Körper zu bewirken.
Geschmack und Emotionen im Ayurveda
Geschmack ist aus ayurvedischer Sicht eine lebendige Darstellung der Erfahrung: die Erfahrung der Substanzen, die wir aufnehmen zusammen mit und unsere eigene Erfahrung, wenn wir sie schmecken.
Ist dir bewusst, dass der Geschmack einer Speise oder eines Getränks auch deine Gefühle und Emotionen verändert? Das liegt auch an dem mit dem Geschmack verbundenen Dosha, das sich in deiner eigenen Natur (Prakritri), der Jahreszeit und Tageszeit verbindet.
Es gibt bestimmte Geschmäcker, die eindeutig mit einem Gefühl oder Erlebnis verbunden sind. Der frische Apfelkuchen oder Kartoffelsalat, der genau so wie bei Oma oder Muttern schmeckt. Das Restaurant-Essen, das genau so wie im Urlaub damals in dem Land schmeckt.
Süß wird beispielsweise mit Verlangen und seiner Befriedigung in Verbindung gebracht. Sauer steht für Neid, salzig für Gier, bitter für Trauer und Frustration, scharf für Wut und adstringierend für Angst.
Auch im täglichen Sprachgebrauch benutzen wir ständig Geschmacksrichtungen als Ausdruck für Gefühle. Ich bin richtig sauer auf dich. Das Baby ist so süß. Ich bekam eine bittere Abfuhr. Das ist ein scharfes Outfit.
Die 6 Geschmacksrichtungen und ihre Qualitäten
Jeder weiß, dass einem von Essen einer Chili heiß wird und sie das Schwitzen fördert. Doch einige Menschen vertragen mehr als andere. Viele können nach zu scharfem oder zu fettigem Essen auch eine Vorhersage zu ihrer Verdauung machen.
Geschmack ist demzufolge eine Kombination aus den 5 Elementen und hat einige vorhersagbare Einflüsse auf Temperatur, Verdauung, Doshas, Emotionen und Geist. Ein Geschmack kann beruhigend oder anregend wirken. Er kann sogar in eine bestimmt Richtung fließen.
Geschmacksrichtungen je Dosha und Jahreszeit
In einem Gericht sollen alle sechs Geschmackrichtungen vorkommen, wobei man aber den Fokus auf das individuelle Dosha und den aktuellem Zustand werfen sollte.
Auch die aktuelle Jahreszeite spielt hier eine Rolle.
Oktober bis Januar |
Vata-Zeit |
Februar bis Mai |
Kapha-Phase |
Juni bis September |
Pitta-Zeit |
An heißen Sommertagen sollte sich jedes Dosha und insbesondere gemischte Dosha-Typen besonders an den Empfehlungen für Pitta orientieren.
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Vata Empfehlungen
Vata sollte bevorzugen: |
ölig, salzig, sauer, schwer, süß, warm |
Vata sollte reduzieren: |
adstringierend, bitter, kalt, leicht, trocken |
Pitta Empfehlungen
Pitta sollte bevorzugen: |
adstringierend, bitter, kühl, schwer, süß |
Pitta sollte reduzieren: |
leicht, salzig, sauer, scharf, zu ölig |
Kapha Empfehlungen
Kapha sollte bevorzugen: |
adstringierend, bitter, leicht, trocken, warm, würzig |
Kapha sollte reduzieren: |
kalt, ölig, salzig, sauer, schwer, süß |
Tabelle der 6 Geschmacksrichtungen Ayurveda
Geschmack |
Element |
Qualität |
Harmonisiert |
Erhöht |
Süß |
Erde & Wasser |
schwer, feucht, kalt |
Vata & Pitta |
Kapha |
Salzig |
Wasser & Feuer |
schwer, feucht, warm |
Vata |
Kapha & Pitta |
Sauer |
Erde & Feuer |
schwer, feucht, warm |
Vata |
Kapha & Pitta |
Scharf |
Feuer & Luft |
leicht, trocken, heiß |
Kapha |
Pitta & Vata |
Bitter |
Luft & Äther |
leicht, trocken, kalt |
Kapha & Pitta |
Vata |
Adstringierend |
Luft & Erde |
leicht, trocken, kalt |
Kapha & Pitta |
Vata |
Einteilung der 6 Geschmacksrichtungen
Bei der Einteilung der Geschmäcker unterscheidet sich die Elemente, Energien, mentale und emotionale Eigenschaften, Vor- und Nachteile, Verdaubarkeit und vieles mehr.
Es ähnelt in vielen Bereichen der Einteilung nach den 5 Elementen der traditionellen chinesischen Medizin (TCM).
Auch wenn du instinktiv weiß, was mit jedem Geschmack zu tun ist, bedeutet das nicht, dass dein Verstand die Geschmäcker wirklich versteht und sie unterscheiden kann.
Es kann einige Zeit dauern, den Geist zu trainieren, um jeden Geschmack zu verstehen und zu unterscheiden.
Die Geschmacksrichtungen süß, sauer und salzig verstehen die meisten am einfachsten. Der Großteil der verarbeiteten Lebensmitteln besteht aus diesen drei Geschmäckern.
Bitter und adstringierend sind Geschmacksrichtungen, die in unserer modernen Ernährung leider häufig fehlen. Beide Geschmacksrichtungen kommen in Lebensmitteln oft zusammen vor. Dazu gehören oft Heilkräuter.
Zusammenfassend bauen süße, saure und salzige Geschmäcker Gewebe auf, wärmende, scharfe, bittere und adstringierende Geschmäcker Gewebe abbauen.
Wir alle müssen jeden Tag Gewebe und Zellen sowohl aufbauen als auch abbauen, da der Stoffwechsel Abfallprodukte erzeugt und durch neue Zellen ersetzt werden müssen. Einige Menschen benötigen mehr Auf- oder Abbau als andere.
Süß (Madhura)
Elemente: |
Erde & Wasser |
Eigenschaften: |
Schwer, feucht, kalt/kühlend, ölig und schwer. Baut das Gewebe des Körpers auf. |
Positiv: |
|
Negativ: |
|
Lebensmittel: |
Ahornsirup*, Butter*, Cashewnüsse*, Datteln*, Fisch, Ghee, Honig*, Karotten, Kokosnussprodukten, Kürbis*, Lakritze, Macadamianüsse*, Mandeln*, Milch, Reis, Reismalzsirup*, rote Beete, Süßkartoffeln*, Süßspeisen, Weizen* und die meisten Früchte. |
Salzig (Lavana)
Elemente: |
Wasser & Feuer |
Eigenschaften: |
Schwer, feucht, heiß/wärmend. Hilft, die Feuchtigkeit im Körper zu halten, schafft mehr Volumen, indem er Wasser zurückhält. |
Positiv: |
|
Negativ: |
|
Lebensmittel: |
Sauer (Amla)
Elemente: |
Erde & Feuer |
Eigenschaften: |
Schwer, feucht, heiß/wärmend, ölig. Baut das Gewebe auf und verleiht dem Körper Masse. |
Positiv: |
|
Negativ: |
|
Lebensmittel: |
Eingelegte Gurken*, Essig*, fermentiertes Gemüse*, Grapefruit*, Hagebutten*, Joghurt*, Limetten*, Sauerkraut*, Tamarinde*, Zitronen* und sauren Beeren. |
Scharf/Stechend (Katu)
Elemente: |
Feuer & Luft |
Eigenschaften: |
Leicht, trocken, heiß/wärmend. Erzeugt Bewegung, schmilzt kalte Ansammlungen und verbrennt Abfallprodukte. |
Positiv: |
|
Negativ: |
|
Lebensmittel: |
Bitter (Tikta)
Elemente: |
Luft & Äther |
Eigenschaften: |
Leicht, trocken, kalt/kühlend, leer, subtil und weit. Unterstützen den Körper beim Abbau von Ansammlungen und Geweben. |
Positiv: |
|
Negativ: |
|
Lebensmittel: |
Artischocke*, Aubergine, Bittermelone*, Brokkoli*, Chicorée, Grapefruit*, grüner und schwarzer Tee*, Grünkohl*, Hopfen*, Kaffee*, Kamille*, Kohl*, Kurkuma*, Löwenzahn*, Mangold, Oliven*, Radicchio*, Rucola*, Spinat, Spitzkohl, Wegwarte*, Wirsing*, Zucchini* |
Adstringierend (Kashaya)
Elemente: |
Luft & Erde |
Eigenschaften: |
Leicht, trocken, kalt/kühlend und zusammenziehend. Unterstützen den Körper beim Abbau von Ansammlungen und Geweben und reduziert Feuchtigkeit. |
Positiv: |
|
Negativ: |
|
Lebensmittel: |
Alfalfa-Sprossen, Basilikum, Blumenkohl, grünen Bohnen, Brokkoli*, Cranberrys*, Dill*, unreife Früchte, Granatäpfel*, viele Hülsenfrüchten, Koriander, Kümmel*, Kurkuma*, Lorbeerblätter*, Mangold, Majoran*, Mohn*, Muskatnuss*, Okras*, Petersilie*, Rosenblätter*, Rosmarin*, Safran*, schwarzer Tee*, Spinat. |
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