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Bio für alle? Wie man sich mit kleinem Budget Bio-Lebensmittel leisten kann

18. Juli 2015
Bio für alle auch mit kleinem Budget

Jahrelang kam von mir selber die Aussage, dass ich mir Bio-Lebensmittel nicht leisten kann, egal wie sehr ich davon aus gesundheitlicher und ökologischer Sicht auch überzeugt war. Manche Bio-Lebensmittel waren mehr als doppelt so teuer als konventionelle und manchmal sogar viel kleiner als im normalen Supermarkt.

Ein erster Weckruf kam in meiner Yogalehrerausbildung, zu der alle jeden Tag etwas für das gemeinsame Mittagessen mitbrachten. Eine Teilnehmerin brachte ausschließlich Bio-Essen mit.

Was ich zu dem Zeitpunkt nicht wusste, war dass ihr Vater selber die Felder von Bauern mit dem Flieger gesprüht hatte und er deshalb gesundheitlich selber völlig krank war. Seitdem ich weiß, wie oft ein einzelnes Erdbeerfeld gesprüht wird (Schimmel, Pilze, Unkraut, Blattläuse, Wurzelfäule, Spinnenmilben, Raupen, Käfer, Dünger, uvm.), ist es mir fast unmöglich, konventionelle Erdbeeren zu kaufen.

Seit dem kaufe ich Erdbeeren lieber seltener, dafür hochwertiger und eben pestizidfrei im Bioladen. Und wenn man Glück hat, sind die in der Saison dort auch im Angebot!

Nach Angaben von Foodwatch e.V. gehören Erdbeeren zu den am stärksten und häufigsten mit Pestiziden belasteten Obstsorten überhaupt. Das gilt leider für die meisten Beerenfrüchte.

Hier einige Tipps, die Bio-Lebensmittel für alle bezahlbar machen:

Auf Angebote achten!

Letzte Woche kaufte ich 4 Bio-Kiwis für € 0,99, macht 25 Cent je Stück. Die konventionellen kosteten lose 29 Cent das Stück. Beim Edeka kosteten die Strauchtomaten pro Kilo schon häufige mehr als beim Biomarkt gegenüber und auch Aldi, Penny oder Netto bieten günstig Bio-Karotten, Bio-Kartoffeln, Bio-Äpfel oder Bio-Tomaten an.

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Das „schmutzige Dutzend“ und die „sauberen 15“

In den USA gibt es eine Kampagne, die sich „dirty dozen“ nennt. Die EWG (Environmental Working Group) veröffentlicht jährlich eine Liste, mit den 12 am stärksten pestizidbelasteten Arten von Obst und Gemüse aus dem konventionellen Anbau. Leider lassen sich die Pestizide nicht einfach unter dem Wasserhahn abspülen.

  • Eine durchschnittliche Kartoffel hat pro Gewicht mehr Pestizide als jedes andere Produkt.
  • Eine einzelne getestete Traubenprobe und eine Paprikaprobe enthielten alleine 15 verschiedene Pestizide.
  • Einzelne Proben von Kirschtomaten, Nektarinen, Pfirsichen, Erbsen und Erdbeeren enthielten je Stück alleine 13 verschiedenen Pestizide.

EWG’s Dirty Dozen Liste 2017 – das schmutzige Dutzend

  1. Erdbeeren
  2. Spinat
  3. Nektarinen
  4. Äpfel
  5. Pfirsiche
  6. Birnen (Neu auf der Liste!)
  7. Kirschen
  8. Weintrauben
  9. Sellerie
  10. Tomaten
  11. Paprika
  12. Kartoffeln
  13. Chili (der Begriff dirty Dozen bleibt, musste aber erwähnt werden!)

Wenn dir Bio-Lebensmittel also zu teuer sind, versuche zumindest diese 12 bzw. 13 in Bioqualität zu kaufen, am besten wenn diese Saison haben und dadurch günstiger sind.

Die sauberen 15 (clean fifteen)

Als Ausgleich gibt es zu dem schmutzige Dutzend auch die „Clean Fifteen“. Also konventionelles Obst oder Gemüse mit den jeweils geringsten Pestizidgehalt im Test. Darunter sind auch seit Jahren Früchte mit einer dicken Schale, wie Ananas, Avocado, Melonen. Das Produkt wird immer im geschälten Zustand bewertet!

  1. Mais
  2. Avocado
  3. Ananas
  4. Weißkohl
  5. Zwiebeln
  6. Erbsen (gefroren)
  7. Papaya
  8. Spargel
  9. Mango
  10. Aubergine
  11. Honigmelonen
  12. Kiwi
  13. Cantaloupe-Melonen
  14. Blumenkohl
  15. Süßkartoffeln

Diese Liste stammt wie gesagt aus den USA. In deutschen Supermärkten wird ja meistens importierte Waren angeboten.

Ökologisches Bewusstsein

Meine Erfahrung: Bananen kosten bei Rewe meistens € 1,99 / kg, egal ob Bio oder Chiquita. Da sollte man doch lieber zu Bio greifen, oder?
Jedes mal wenn ich im Supermarkt Bananen kaufe und die konventionellen für zirka einen Euro das Kilo neben den teuren Fair-Trade-Bio-Bananen liegen, kaufe ich trotzdem die Bio-Bananen. Seit dem ich einer Reportage gesehen habe, die zeigte dass die Plantagen mit den geballten Giften besprühen, während die Arbeiter ungeschützt auf den Plantagen am Arbeiten sind, kann ich das einfach nicht unterstützen. Da kaufe ich lieber eine Banane weniger und kann die mit gutem Gewissen essen. Deshalb kaufe ich auch nur Bio-Eier oder Bio-Milchprodukte. Ich glaube auch fest daran, dass wir mit unserem Kaufverhalten den Markt beeinflussen können. Dieses sieht man ja auch an den steigenden Umsatzzahlen auf dem Biomarkt oder das jetzt z. B. Nivea, Rexona & Co. jetzt Deos ohne Aluminiumsalze anbieten (und stark mit diesem Hinweis bewerben) oder Fleischhersteller jetzt mit vegetarischen Produkten aufwarten.

Ps: Ich persönlich kaufe lieber bei Firmen, die authentisch hinter ökologischen Produkten stehen, als von solchen, die dieses nur zur eigenen Umsatzsteigerung tun (sogenanntes Greenwashing).

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Kleiner Tipp für Naschkatzen

Wer gerne nascht, egal ob süßes oder salziges, kann ja mal versuchen die Gelüste unter Kontrolle zu bringen, indem man statt der günstigen Nascherei die teuren Rohkost-Riegel oder Schokoladen aus dem Bioladen kauft. Wenn eine Tafel Schokolade dann statt 50 Cent das über zwei Euro kostet, lässt man ja eher die Finger davon oder gibt sich mit einem Riegel statt der ganzen Tafel zufrieden. Mit gutem Gewissen (Stichwort – Fair Trade) genießt es sich dann gleich viel besser.

 

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